Förderkonzept

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Info: Das Förderkonzept wurde überarbeitet und geht am 31.10.2016 durch den Schulvorstand.

Danach wird es an dieser Stelle neu eingstellt.

Vorwort

Das Förderkonzept ist fest verankert in unserem Schulprogramm. Es wird jährlich evaluiert. Klassenlehrer, Förderschullehrer und Fachlehrer stehen in einem ständigen Austausch und passen das Förderkonzept inhaltlich und stundenmäßig jeweils den neuen Gegebenheiten an.
Im Schuljahr 2009/2010 wurden uns sieben Stunden Förderunterricht zugewiesen, drei Stunden galten der vorschulischen Sprachförderung und eine Stunde wurde als bedarfsorientierter Förderunterricht pro Jahrgang erteilt. Zusätzlich stehen uns noch 14 Stunden sonderpädagogische Förderung im Rahmen der Grundversorgung zur Verfügung.

Lernen und Lernvoraussetzungen

Grundschüler kommen aufgrund ihrer individuellen Sozialisationsbedingungen mit sehr unterschiedlichen Begabungen, aber zunehmend auch mit großen Defiziten im Bereich der Sprache, Wahrnehmung, Motorik, Konzentration und des Sozialverhaltens in die Schule. Wir wissen, dass Gelerntes nur nachhaltig im Gedächtnis bleibt, wenn beim Lernen möglichst viele Sinne und Wahrnehmungskanäle während des Lernprozesses angesprochen werden, damit die Lerninhalte zum Gehirn gelangen. Geschieht dies nicht, können Störungen entstehen, die das Kind am Lernen hindern und der Teufelskreis beginnt: Wahrnehmungsstörungen führen sowohl zu Aufmerksamkeitsproblemen, Lernproblemen, Versagensängsten, Misserfolgserlebnissen als auch zu Konflikten mit all ihren Konsequenzen. Wir Lehrer müssen also mehr denn je die Kinder dort abholen, wo sie mit ihren Begabungen und Defiziten stehen und eine Verknüpfung zwischen der herkömmlichen Förderung (Mathematik und Deutsch) und der Förderung im Wahrnehmungsbereich herstellen. Dies gestaltet sich zunehmend schwieriger. Ziel unserer Förderung ist also die Förderung im Bereich Mathematik und Deutsch. Diese Bereiche sind zu ergänzen durch die Förderung im Bereich der Wahrnehmung, Motorik, Konzentration und des Arbeits- und Sozialverhaltens.
Nach Möglichkeit soll das Kind befähigt werden, das Klassenziel zu erreichen.

Migrantenkinder und Kinder mit sprachlichen Defiziten

Viele Kinder aus Migrantenfamilien der zweiten Generation besuchen unsere Schule. Hinzu kommen viele Kinder, deren Muttersprache zwar Deutsch ist, die aber trotzdem erhebliche sprachliche Defizite aufweisen. Sie können sich zwar verständlich machen, wenn es um die täglichen Dinge ihres Lebens geht, im Bereich der genauen und differenzierten Arbeit in den verschiedenen Fächern verfügen die Schüler oft nur über einen unzulänglichen Wortschatz. Das führt dazu, dass sie Probleme haben, Arbeitsanweisungen oder Texte richtig zu verstehen. Wichtige Informationen können sie dann nicht dem Gelesenen entnehmen und ihre Arbeit nicht richtig ausführen. Beim Schreiben von Texten fehlen vielen Kindern die grammatikalischen Strukturen und der Grundwortschatz. Einen Text zu verfassen gelingt ihnen damit nur unzureichend. Um diese Defizite aufzuarbeiten, legen wir Wert darauf, den Sprachförderunterricht nicht nur im vorschulischen Bereich durchzuführen, sondern ihn kontinuierlich und systematisch während der gesamten Grundschulzeit zu erteilen. Hierzu werden zwei Stunden jahrgangsübergreifend eingesetzt (Klasse 1/2 und Klasse 3/4).

Förderbereiche

 Angelehnt an die von allen Rintelner Grundschulen erarbeiteten individuellen Lernentwicklungsbögen ergibt sich für uns die Förderung in folgenden Bereichen:
Wahrnehmung (visuell, auditiv, taktil-kienästhetisch) Deutsch
Motorik(Grob- und Feinmotorik, körperliche und seelische Entspannung, Selbstbewusstseinstraining,
Raumwahrnehmung usw.)
Deutsch als Zweitsprache
Konzentration
Arbeits- und Sozialverhalten
Mathematik

 
Da es pädagogisch und lernstrategisch sinnvoll ist, fördern wir gezielt nur zwei der vorgenannten Bereiche. Eine klare Trennung der verschiedenen Förderbereiche kann nicht immer vorgenommen werden. Zum Beispiel kann das Problem des Nichtlesenkönnens für das Fach Mathematik dazu führen, dass Arbeitsanweisungen oder Texte nicht verstanden werden und gerade dies kann die Ursache für das Versagen im selbigen Fach sein. Hier ist zu klären, wo der vorrangige Förderbedarf des Kindes besteht.

Förderorganisation

Welche Kinder werden gefördert?
Alle Kinder haben das Recht gefördert zu werden.
Allerdings muss anhand des individuellen Förderbedarfs entschieden werden, wer am Förderunterricht teilnehmen soll, da wir nur über ein bestimmtes und knapp bemessenes Förderstundenkontingent verfügen.
Zunehmend haben wir an unserer Schule in nahezu jeder Klasse Kinder mit Defiziten im emotional-sozialen Bereich. Für diese Kinder bräuchten wir für jede Klasse eine zusätzliche Förderstunde, damit die fachliche Förderung auch noch geleistet werden kann.

Um den Bedürfnissen der begabten Schüler gerecht zu werden, achten wir darauf, entsprechende AG-Angebote anzubieten. Motorik, Wahrnehmung und Disziplin wird auch im Sportunterricht und im Rahmen der Sport-AG gezielt gefördert.
Die Grundschüler mit Status Lernen benötigen eine intensive, zeitliche sonderpädagogischen Förderung, da sie zieldifferent unterrichtet werden.
Dies erfolgt durch:

  • Herausnehmen der Kinder aus dem Unterricht und Förderung entsprechend eines individuellen Konzeptes unabhängig vom aktuellen Lernstoff der Klasse
  • Wochenplanarbeit
  • Besprechung der angefertigten Hausaufgaben, der Aufgaben aus dem Kernunterricht und Planung der neuen Hausaufgaben
  • Es wird ein schriftlicher Förderplan nach Absprache der jeweiligen Klassen bzw. Fachlehrer erstellt. Regelmäßige Überprüfung dieses Planes und Festlegung der neuen Förderziele sind erforderlich.

Ziel ist es, den Anschluss an das Lernniveau der Klasse zu erreichen.

Kinder mit dem Status emotionales und soziales Lernen werden zielgleich unterrichtet. Die Förderung der sozialen Kompetenz, des Selbstvertrauens und die Sicherheit im Schulalltag sind wichtige Ziele unseres Förderkonzeptes. Die fachliche Beratung durch das schulische Beratungszentrum in Obernkirchen wird regelmäßig in Anspruch genommen.
Kinder mit dem Status Sprache werden ebenfalls zielgleich unterrichtet. Sowohl Sprachförderunterricht durch den Förderschullehrer als auch die ergänzende Hilfen durch Facheinrichtungen finden statt.

Lernstandsdiagnostik und Förderplan:

Um ein Kind gezielt fördern zu können, ist eine genaue Lernstandsdiagnostik notwendig und dies möglichst früh. Hierbei arbeiten wir eng mit dem Kindergarten MinniMax (Kooperationsvertrag zum Thema Sprache als Schlüssel zur Bildung). Zunächst führen gezielte Beobachtungen des Kindes durch die Klassenlehrerin zur Aufdeckung und Ermittlung seiner fehlerhaften Denkprozesse oder Wahrnehmungsauffälligkeiten. Die gewonnen Erkenntnisse werden dokumentiert und in einem ersten Diagnosebogen festgehalten.
In Koordinationsgesprächen beraten sich die Klassenlehrer und Fachlehrer aus der Klasse der betroffenen Kinder zu den Zielen und Schwerpunkten der Förderung. Gemeinsam legen sie fest, in welchen Bereichen vorrangig gefördert werden soll. Danach vergleichen die an der Förderung Beteiligten in einer fachspezifischen Förderdiagnose den Ist-Stand eines Kindes mit dem Soll-Stand und erstellen einen individuellen Förderplan, in dem sowohl die Ziele als auch der individuelle Zeitrahmen formuliert und festgelegt werden. Nach einer festgelegten Zeit wird überprüft, ob das Kind Fortschritte erzielt hat oder nicht. Klassenlehrer sowie alle an der Förderung Beteiligten kommen wieder in einem Koordinationsgespräch zusammen, um den weiteren Bedarf des Kindes zu ermitteln und das weitere Vorgehen zu besprechen.
Für nach wie vor vorhandene Defizite müssen die Ursachen ergründet werden, damit neue Entscheidungen getroffen werden können. Dies ist zu dokumentieren.

Wer fördert die Schüler?
Es bildet sich ein Team von Klassen-, Fach- und Förderlehrern. Sie fördern in ihrem speziellen Bereich die Schüler.
Die pädagogischen Mitarbeiterinnen unserer Grundschule unterstützen uns im Bereich der basalen Förderung und bieten Angebote im Bereich der visuellen und auditiven Wahrnehmung und im taktil- kienästhetischen Bereich an.
Unser Leitbild lautet Miteinander leben und lernen – Die lesende Schule. Das Lesen ist eine der wichtigsten Schlüsselqualifikationen. Bereits ab der 1. Klassen unterstützen uns Lesemütter, die in Absprache mit der Fachlehrerin das Lesen in Kleingruppen einüben. Des Weiteren haben wir ein Lesecafe installiert, das einmal pro Halbjahr an unserer Schule stattfindet und so auch einen handlungsorientierten Zugang zur Literatur ermöglicht.

Dauer der Fördereinheit

Das Team legt den zeitlichen Rahmen einer Fördereinheit schriftlich im Förderplan fest. Wie lange eine Fördereinheit dauert, ist je nach Förderbedarf von Fall zu Fall unterschiedlich. Förderung bringt nur Erfolg, wenn sie regelmäßig und beständig für das Kind angeboten wird. Sie wird in der Gruppe (maximal 5 Kinder) oder als Einzelförderung möglichst immer durch die gleiche Person über einen längeren Zeitraum erfolgen. Die Förderung kann auch im Klassenverband im Rahmen der Binnendifferenzierung zusätzlich durch eine Förderkraft erteilt werden.

Förderzeiten

Der Förderunterricht findet parallel zum Unterricht und nach dem regulären Unterricht statt. 

Der Förderraum und Fördermaterial
Unsere Förderung findet in der Bibliothek statt.
Die Bibliothek ist ein heller, freundlicher und ansprechender Raum, der eine Atmosphäre des Wohlfühlens bei dem zu fördernden Kind ausstrahlt. Durch Regale getrennt gibt es einen Bereich zum Lesen und zum Stöbern in Büchern, sowie einen Förderbereich mit einer integrierten Computerecke. In den Schränken und Regalen werden alle Materialien untergebracht, die wir zum Fördern benötigen. Das Förder- und Übungsmaterial wird in den verschiedenen Facharbeitsgruppen zusammengestellt, geordnet und dort systematisch einsortiert, damit es dem zu fördernden Kind gleich zur Verfügung steht. Das Material wird ständig ergänzt.

Schulinterne Möglichkeiten der Förderung
Alle Kollegen bemühen sich um Binnendifferenzierung, um sowohl dem leistungsstarken als auch dem leistungsschwächeren Schüler gerecht zu werden.
Viele Einheiten werden von den Stufenlehrern gemeinsam und auf die verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausgearbeitet.
Die Förderung des Kooperativen Lernens ist uns allen ein wichtiges Anliegen. Das Kollegium hat an einer Fortbildung in diesem Schwerpunkt teilgenommen, um die Partner- und Gruppenarbeit noch weiter zu intensivieren. Die Schüler sollen zur Selbständigkeit befähigt werden, indem auch Formen der Selbstkontrolle eingeübt werden.

Fortbildungen
Um unsere Kompetenz im Bereich Förderunterricht auszubauen, werden wir demnächst festlegen, in welchen Bereichen Fortbildungsbedarf besteht, damit wir einen Fortbildungsplan erstellen können (kompetenzorientiertem Unterricht). Im Schuljahr 2009/2010 nahm das Kollegium an einer Fortbildung zum Thema "Kooperatives Lernen" teil. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit Themen wie LRS, Dyskalkulie, Aufmerksamkeitsdefiziten( ADS, ADHS).

Ausblick
Die kritische Hinterfragung unseres Förderkonzeptes hat dazu geführt, dass wir inzwischen von dem Prinzip der Fachförderlehrer abweichen und die Förderung vorwiegend durch die Fachlehrer der Klassenstufen erfolgt. Nur in Einzelfällen kann es sinnvoll sein, dass der Förderlehrer die Förderung übernimmt, um das Kind aus einem anderen Sichtwinkel sehen zu können.

Das uns zur Verfügung stehende Stundenkontingent an Förderstunden reicht zunehmend angesichts des stetig steigenden Förderbedarfs besonders im Bereich emotional-sozialer Kompetenz nicht aus. In der Regel befinden sich in jeder Klasse mindestens 3 auffällige Schüler.

Literaturverzeichnis
Berndt, Maureen: Förderkonzepte- konkret und transparent, BVK Buch Verlag, Kempen 2005 Engel, Annegret: Lernen erleichtern, Mildenberger Verlag, Offenburg 2005

Dr. Habeck, Heinfried: Attraktive Grundschule: Jedes Kind fordern und fördern Raabe Fachverlag, Berlin, 2003 Förderkonzept der Grundschule Haste, Haste, 2003